Berlin, 18. November 2015 - Zum wiederholten Mal fand in Berlin der Deutsche Handelskongress statt, der sich über die Jahre als das zentrale Branchentreffen des Handels mit über 900 führenden Vertretern etabliert hat.

Am Vormittag des ersten Tages diskutierten vor dem Plenum des Kongresses Dorothea Ern-Stockum, Geschäftsführerin von Kurt Salmon Germany, Jens Diekmann, Director Crosschannel & Business Development bei Parfümerie Douglas, Lothar Schäfer, Vorstand von Adler Modemärkte, Thomas Storck, Chief Information Officer & Chief Solution Officer von METRO Cash & Carry sowie Mag. Werner Weber, Vorstand von Leder & Schuh, über die Erfolgsfaktoren Omnichannel im Handel erfolgreich umzusetzen.

Zentrale Frage der Diskussion war, in welcher Form der digitale Konsument das Handels-Geschäftsmodell verändert. Folgende zentrale Erfolgsfaktoren kristallisierten sich während der Diskussion heraus:

Top Management Priorität:

Omnichannel betrifft und verändert alle Bereiche eines Unternehmens - die Organisation, die Prozesse, die IT Landschaft – die Kultur. Auf die Frage, wie man eine solche kulturelle Veränderung in allen Abteilungen und allen Ebenen erreichen könne, erläuterte Dorothea Ern-Stockum, dass die Verantwortung der Umsetzung und Transformation der Organisation auf C-Level (d.h. z.B. in Form eines Chief Omnichannel Officers) zu verankern und voranzutreiben sei - in allen Bereichen, insbesondere im Merchandising, in der Supply Chain und in den Stores. "Omnichannel ist nicht eine weitere Funktion im Unternehmen - sondern verändert das Unternehmen ganzheitlich", so Dorothea Ern-Stockum.

Serviceanforderungen verstehen und differenzieren:

Als weiteren wichtigen Erfolgsfaktor betonte Dorothea Ern-Stockum die Bedeutung, nicht nur die Erwartungen seiner Kunden zu kennen, sondern auch seine Services entsprechend zu differenzieren: „Mit dem von den E-Playern initiierten Service-Wettbewerb (Stichwort „Same & Next Day Delivery“) wird es notwendig, die Serviceerwartungen der eigenen Kunden und die Zusammenhänge zwischen Service- und Bestands-Level genau zu verstehen, um diese ganzheitlich aus Kosten- und Ertragssicht zu optimieren. Differenzierte Service-Levels mit unterschiedlichen Kosten und Gebühren für unterschiedliche Kundensegmente und Kaufsituationen sind dafür ein wesentlicher Verbesserungshebel.“

Bestände kanalübergreifend planen und einkaufen:

Auf die Frage was die wichtigsten Voraussetzungen neuer Liefer- und Kundenservices im Unternehmen seien, wurde die Notwendigkeit diskutiert, Omnichannel in die verschiedenen Funktionen entlang der Wertschöpfungskette voll zu integrieren: Mit dem Wachstum des E-Com werde ein kanalübergreifender Einkauf und ultimativ auch eine kanalübergreifende Bestands- und Limit-Planung notwendig, um einkaufsseitige Synergien zwischen den Kanälen zu maximieren. Dafür sei eine Multichannel-Organisationsstruktur Voraussetzung, so Dorothea Ern-Stockum. Übergangsweise könne diese durch E-Com-Sortimentsplaner ergänzt werden, um E-Com spezifisches Kunden- und Markt-Knowhow einzubringen.

Bestände kanalübergreifend steuern:

Der wachsende E-Com-Anteil zwingt Händler, den gesamten Bestand in der Supply Chain für optimale Fulfilment-Entscheidungen zu nutzen. Ein kanalübergreifendes Management von Beständen sei der Schlüssel, um die erwarteten Service-Levels zu erreichen, ohne dass die Bestände „explodieren“. Die Zusammenführung von Beständen für den Filialnachschub und das E-Com-Fulfilment seien dabei ebenso ein Hebel wie die Einbeziehung von Filialbeständen in Fulfilment-Entscheidungen.

Optimale Fulfilment-Entscheidungen treffen:

Multichannel Fulfilment-Entscheidungen seien mehrdimensional. Die Entscheidung, von welchem Punkt ein Auftrag optimaler Weise zu erfüllen ist, erklärt Dorothea Ern-Stockum, erfordere die Einbeziehung aller relevanten Faktoren, so z. B. Lieferzeitanforderungen und Standort eines Kunden, Kapazitäts- und Bestandssituationen in Lager und Filialen sowie Kosten verschiedener Fulfilment-Alternativen (z. B. Pick & Pack aus der Filiale versus aus dem Lager). DOM [Distributed Order Management] Systeme seien dabei maßgebliche Unterstützung bei der Entscheidungsfindung.

 

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