Deutscher Handelskongress 2016: Der Erfolg von On-Demand Geschäftsmodellen und die Transformation der Fashion-Branche

Im Plenum des Deutschen Handelskongresses diskutierte Dorothea Ern-Stockum, Geschäftsführerin von Kurt Salmon gemeinsam mit Dr. Moritz Hahn, SVP Market & Category Management (Zalando), Stephan Knäble, Managing Director GfK Konsumentenpanels (GfK), Olivier Van den Bossche, Vorsitzender der Geschäftsführung (GALERIA Kaufhof) und Jörg Wahlers, CFO/ COO (ESCADA) über den Erfolg von On-Demand-Geschäftsmodellen und die Konsumenten-getriebene Transformation der Fashionbranche.

On-Demand-Modelle gewinnen seit 1-2 Jahren deutliche Marktanteile und konnten ihren Anteil an den Konsumausgaben steigern, darunter insbesondere innovative Geschäftsideen im Bereich Reisen und Gastronomie/ Essen. Dahinter steht u. a. der zunehmende Wunsch der Konsumenten nach unmittelbarer, direkter Erfüllung seiner Wünsche und Bedürfnisse.

Auf die Frage hin, welche Auswirkungen diese Veränderungen auf die Fashion-Branche haben werde, erklärt Dorothea Ern-Stockum, dass sich eine beschleunigte Entwicklung hin zu Direct-to-Consumer-Geschäftsmodellen vollziehen werde – erfolgreiche Marken hätten die direkten Vertriebskanäle bereits ausgebaut, beispielsweise eigene Filialen, E-Commerce, digitale Marktplätze und auch in sozialen Netzwerken. „Zusätzlich werden sich Hersteller-Händler-Beziehungen verändern“, so Dorothea Ern-Stockum weiter: Um die Bedürfnisse noch stärker abzubilden, müssten traditionelle Handelsflächen um digitale Inhalte und Omnichannel-Services ergänzt werden. Um das kosteneffizient zu leisten, sei eine gemeinsame Planung sowie eine Regionen- & Kanalübergreifende Transparenz und Zugriff auf Bestände zentral wichtig. Vor dem Hintergrund wären auch Unternehmenszusammenschlüsse und Akquisitionen von stationären und digitalen Händlern zu werten, wie z. B. Neiman Marcus/ MyTheresa, HBC/ Gilt und Farfetch/ Browns Fashion - Leverage der Bestände spiele dabei eine große Rolle, so Dorothea Ern-Stockum.

Die aktuellen Herausforderungen erforderten einen umfassenden Transformationsprozess, erklärt Dorothea Ern-Stockum weiter. Auch oder insbesondere in der Unternehmenskultur sei eine neue Form der Kollaboration zu verankern, sowohl zwischen den funktionalen Bereichen im Unternehmen (Finance, Planung, Design, Beschaffung und Logistik) wie auch mit den relevanten externen Partnern entlang der Supply Chain. Für eine reaktive Wertschöpfungskette müsse ein hohes Maß an Transparenz von der ersten Planung an bis hin zum Warenbestand über alle Vertriebskanäle hinweg geschaffen werden.

Die Bekanntgabe führender Luxusmarken, u. a. Tom Ford und Burberry, In-Season Fashion Shows einzuführen, hat lebhafte Debatten in der Modebranche ausgelöst. Es besteht wenig Zweifel darüber, dass sich ein fundamentaler Wandel innerhalb der Fashion-Branche vollziehen wird. So sank beispielsweise über die letzten Jahre der Anteil der Modebranche an den Konsumausgaben, was sich über die Jahre zu geschätzten entgangenen Umsätzen in Höhe von 27 Mrd. Euro kumuliert. Die bisherigen Geschäftsmodelle der Modebranche mit ihren komplexen Beschaffungsprozessen und Lead Times geraten aktuell zusehends unter Druck.