Textilwirtschaft - Der Drache hat zu kämpfen

13 Januar 2017

Der Wettbewerb auf den Beschaffungsmärkten wir schärfer, China verliert Anteile an Billigkonkurrenten. Wie viel Bewegung im Markt ist, zeigen auch die Zahlen. Die Unternehmensberatung Kurt Salmon rechnet in ihrer Studie „Global Sourcing Reference“ vor, dass der Marktanteil von China bei den Bekleidungsimporten in die EU seit 2009 deutlich geschrumpft ist – von 40 % in Spitzenzeiten auf 31 % im Jahr 2015. Deutlich zugelegt haben dagegen in 2014 und 2015 Kambodscha mit 29 % pro Jahr, Vietnam (26 %), sowie Pakistan (25 %), aber auch Bangladesch – nach China die Nummer zwei – mit 23 % jährlich, sowie Polen und Tschechien (19 bzw. 18 %).

Peter Rinnebach, Senior Manager bei Kurt Salmon, geht davon aus, dass das Sourcing in Zukunft vielfältiger wird. Das heißt Bekleidungsanbietern werden zukünftig noch mehr Produktionsländer zur Verfügung stehen, wobei weitere Volumina aus China abwandern werden. Davon profitieren zum einen günstige asiatische Länder. Zum anderen Länder, die näher an den Absatzmärkten liegen, weil kurze Wege durch die steigende Bedeutung schneller Kollektionszyklen wichtiger werden.

Herausragend ist aber die Mobilität der Chinesen. „Wir sehen in allen aufstrebenden Sourcing-Märkten, etwa in Bangladesch, Kambodscha, Vietnam und sogar Äthiopien, dass chinesische Unternehmen Investitionen tätigen und Eigentümer lokaler Produktionsstätten werden“, so Peter Rinnebach. „Damit gehen sie in niedrige Preislagen, die man sonst nur schwer abdecken kann.“

Dabei rückt auch zunehmend Afrika in den Fokus: „Wenn man sich ansieht wie chinesische Konzerne, aber auch H&M oder türkische Lieferanten in Afrika in Produktionskapazitäten investieren, kommt man zum Schluss, dass dort ein neuer Wettbewerber entstehen kann“, sagt Peter Rinnebach.