Textilwirtschaft, Nr. 15 2017

25 April 2017

Ein bis drei Tage beträgt die durchschnittliche Lieferzeit von Online-Bestellungen nach der von Kurt Salmon, part of Accenture Strategy, durchgeführten Studie, bei der Online-Testkäufe bei 53 Händlern und Marken getätigt und die Abwicklung von Onlinebestellungen, Service und Versandkosten untersucht wurden. Gegenstand waren Markenhersteller sowie der vertikale und Multibrand-Handel aus Fashion und Sportswear über alle Marktsegmente von Luxus bis Discount hinweg.

Überraschend: Same Day Delivery - ein Service, der in aller Munde ist - spielt in der Modebranche noch kaum eine Rolle. Die Hälfte der wenigen Händler, die dies bereits umsetzten, sind Pure Player. Ansonsten ist diese Option derzeit nur bei Warenhäusern wie Kaufhof zu finden. Aber selbst die Zeitfenster-Lieferung, die viele der befragten Händler und Hersteller als deutlich wichtiger erachten, wird hierzulande bislang kaum angeboten.

Ganz anders sieht es im europäischen Vergleich aus. In Großbritannien etwa bieten bereits doppelt so viele Retailer die taggleiche Lieferung an. Das hat Kurt Salmon bei einer zweiten Umfrage unter Omnichannel-Logistikern im Modebereich festgestellt.

Auch Next Day Delivery haben die Briten häufiger im Portfolio. Allerdings sind insgesamt die Lieferfristen von Online-Bestellungen von vier Tagen im Schnitt fast doppelt so lang wie durchschnittlich in Deutschland. Hier gewinnen zudem die Luxusmarken mit insgesamt nur 1,7 Tagen Lieferzeit.

„Das liegt vor allem daran, dass die Logistikkosten bei hochwertiger Ware nicht so stark ins Gewicht fallen, und man es sich daher auch eher leisten kann, zusätzliche Lagerressourcen zu stellen. Zudem hat Service bei Luxus-Brands absolute Priorität – die Kunden sind tendenziell weniger preissensibel, erwarten aber hohen Service“, begründet Sven Kromer, Managing Director bei Kurt Salmon, part of Accenture Strategy.

Im Schnitt betrage die Lieferzeit hierzulande drei Tage – wenn der Kunde die Ware nach Hause bekommt. Für Click & Collect, das derzeit bei knapp der Hälfte der deutschen Retailer angeboten wird, braucht es doppelt so lange, hat Experte Kromer festgestellt. „Die Logistik in diesem Bereich ist noch nicht ausgefeilt. Die Order geht vom Online-Shop zunächst ins Lager, dann kommt die Ware in den Store, wo das Paket erst einmal zur Seite gelegt wird, ehe der Kunde eine Info erhält“, sagt Kromer. …

„Click & Collect macht eben Arbeit und erhöht die Logistikkosten. Aber auch insgesamt tendieren die deutschen Unternehmen eher zu Lieferkosten“, resümiert Kurt Salmon-Berater Kromer. So verlangen 77% der befragten Unternehmen Versandkosten, die im Schnitt bei 3 Euro liegen. Kostenlose Lieferung gibt es bei vielen erst ab einem bestimmten Wert im Warenkorb. Wenn der mehr als 60 Euro umfasst, liefert ein Viertel der Unternehmen frei Haus. Dagegen sind die Retouren bei fast allen (95%) kostenlos. Das erwarte Kunde inzwischen, meint Kromer. Dabei nimmt jeder Dritte die unerwünschte Waren im Laden entgegen. Die Rücksendefrist beträgt durchschnittlich 25 Tage.